Löbau, Alter Friedhof - Kriegerdenkmal, errichtet 1868,
für die gefallenen Krieger aus Sachsen, Preußen und Österreich aus dem Krieg 1866.
Inschrift :
Dem Andenken der im Feldzuge 1866 verwundeten und zu Löbau verstorbenen Krieger.
- Die Erde ist überall des HERRN -

 
Dem Löbauer Altstadtverein ist es zu verdanken, dass das Kriegerdenkmal seinen ursprünglichen
Standort zurückerhielt und saniert wird. Die Sanierung ist noch nicht abgeschlossen.
 
Löbau, Alter Friedhof - Kriegerdenkmal, 1866
Bildquelle:  Löbau - Bilder einer Stadt, von Rudolf Drescher. Sutton Verlag 2003.
 
Witterungseinflüsse und die Kraft von Vandalen haben dem Gedenkstein arg zugesetzt
 
Einige Jahre musste der Gedenkstein einem Kinderspielplatz weichen
und wurde hierher umgesetzt.

 

Kriegerdenkmal 1866 - Künstlerpostkarte von Löbau, 1936
Verlag K. H. Flemming, Löbau

Info-Säule des Altstadtvereins, Löbau
 

Ein Denkmal soll errichtet werden, für die hier beerdigten sächsischen, preußischen und österreichischen Krieger aus dem Krieg 1866
Die Unterzeichner:
Staatsanwalt Cubasch, Major von Einsiedel, Bezirks-Gerichts-Direktor Gareis, 
G.-Amtmann von Gottschalck, Bürgermeister Hartmann, Kaufmann Scholze (Firma Reichel & Scholze), Amtshauptmann von Thielau,
P.P. Würkert.


Gedichte von Ernst Fiebiger im Sächsischen Postillon

 
Arnd Krenz:

Vergessene Steine - aufregende Geschichte.
Von vielen Passanten heute unbeachtet, steht ein unscheinbarer Gedenkstein auf dem Alten Friedhof in Löbau. Er erinnert an die Ereignisse und Opfer eines leidvollen Sommers 1866.
Mit gespielter Entrüstung verließ am 14.Juni 1866 der preußische Gesandte den Sitzungssaal des Deutschen Bundestages in Frankfurt am Main und erklärte kurzerhand das bisherige
Bundesverhältnis für gelöst. Soeben wurde hier der Antrag Österreichs auf Mobilisierung des gemeinsamen Heeres gegen Preußen angenommen. Für das Votum stimmte als Verbündeter des Österreichischen Kaisers auch Sachsen. Im Hintergrund jedoch hatte bereits Bismarck seine Fäden gesponnen. Geschickt nutzte er den Streit mit der Donaumonarchie wegen Schleswig und
Holstein, um Österreich gewaltsam aus einem zukünftigen Einheitsstaat herauszudrängen.
Längst vorbereitet, erklärte Preußen den Österreichern den Krieg und setzte unverzüglich seine Truppen in Marsch. Die Entscheidung über ein Deutsches Reich mußte nunmehr auf den
Schlachtfeldern in Böhmen fallen, wo sich insgesamt 475.000 Österreicher und 302.000 Preußen mit jeweils ihren Verbündeten gegenüberstehen sollten. Ohne Vorbereitung begann auch für die
Stadt Löbau ein „heißer“ Sommer. Erstes Ungemach entstand allerdings durch die nach Böhmen abrückenden eigenen Truppen, als ebendiese Gleise auf dem Bahnhof und optisch Telegrafenmasten entlang der Eisenbahn zerstörten. Im Laufe des 16.Juni verschwanden
dann alle sächsischen Soldaten mitsamt ihrem König aus dem Lande und überließen die Oberlausitz quasi schutzlos dem „Feind“. Der kam schon einen Tag später in Form des 
6. Thüringischen Ulanenregiments und des Füsilier Bataillons des 4.Thüringischen Infanterieregiments unter Major von Totow angerückt. Die Stadt, damals kaum mehr als 450
Häuser zählend, hatte in den nächsten Tagen unter einer immens drückenden
Einquartierungslast ständig nachrückender preußischer Truppen zu leiden. Täglich mußten oft mehr als 1000 Mann verpflegt werden. Feindseligkeiten blieben aber weitestgehend aus. So stellte der General der Cavallerie, Karl Friedrich Prinz von Preußen, in einer Bekanntmachung vom 16.Juni an die Bewohner der Sächsischen Lausitz klar: „Wir führen nicht den Krieg gegen das Land und die Bewohner von Sachsen, sondern gegen die Regierung, welche uns denselben ... aufgedrungen hat.“ „Bewohner der Lausitz! Kommt uns daher mit Vertrauen entgegen und seid
überzeugt, daß meine Soldaten durch Wohlwollen und strenge Manneszucht dem Lande die Lasten des Krieges möglichst erleichtern werden.“ Requisitionen, Schäden durch den
Militärbetrieb und finanzielle Belastungen der Bevölkerung waren dennoch enorm und durch die Bürger allein kaum zu tragen. Trotzdem engagierten sie sich mit den Preußen so gut es ging. Für diese war Löbau, auf halbem Wege zwischen Böhmen und Berlin gelegen, nunmehr strategisch
wichtiges Hinterland. Sie richteten ein Königlich Preußisches Etappen- Kommando, eine Telegrafenstation und ein Truppenmagazin (im Gewandhaus) ein. Die Stadtväter unterhielten
außerdem ein extra Proviantmagazin mit Schlachthaus, in dem Freiwillige (erkennbar an einer rot-weißen Schleife) arbeiteten. Und damit der Durst möglichst vieler Soldatenkehlen gestillt werden konnte, erhielt jeder Bürger ab sofort die Möglichkeit, für die Zeit des Krieges eine
Bierausschankkonzession beim Rat zu beantragen.
Die hohe Zahl zu erwartender Verluste machte Vorsorge notwendig. Deshalb nahm in Löbau ein schweres Feldlazarett eines Armeekorps seine Arbeit auf. Zur Versorgung Verwundeter diente das Armenhaus gegenüber dem Friedhof (heute Gelände Aussiedlerheim) und ein Lazarett für Kranke war in der „Scharfschen Fabrik“, auch „Scharfsche Bleiche“ genannt (heute Gelände Lausitzer Granit), untergebracht. Direkt auf dem Bahnhof richteten die Preußen zusätzlich eine Verbandstation ein und unterhalb des Bahnhofs baute die Stadt Löbau später noch ein Cholerahaus.
Ende Juni 1866 wurde es wieder ruhiger in der Stadt, denn die Truppen formierten sich nach und nach in Böhmen zum Entscheidungsschlag. Am 29.Juni schließlich fielen in mörderischen Schlachten bei Gitschin und am 03.Juli bei Sadowa und Könggrätz die blutigen Würfel – die
Österreicher waren der Auflösung nahe, die Preußen hatten gewonnen!
Bismarck erlangte seine Befriedigung – der Weg zum Norddeutschen Bund war frei. Einziger „Wermutstropfen“: 44.000 Männer bezahlten diese Entscheidung mit ihrem Leben.
Stark angeschlagen marschierten die Truppen in den folgenden zwei Monaten wieder Retour in die
rückwärtigen Gebiete und Heimatgarnisonen. Zug um Zug passierten Gefangenen und
Verwundetentransporte den Löbauer Bahnhof. Die Geschundenen erhielten Beköstigung, Beistand und medizinische Betreuung. Wie vorher füllten sich die Quartiere im Ort mit
Soldaten. Diesmal allerdings, zum „Glück“ für die Hausbewohner, oft nur mit halber Kompaniestärke.
Hoher Besuch langte am 04.August 15.20 Uhr mit dem König von Preußen auf dem Bahnhof an, den Teile des Stadtrates und der Stadtverordneten schon aufgeregt am Bahnsteig erwarteten. Bürgermeister Hartmann begüßte Se. Majestät, sagte „alleruntertänigsten Dank der Stadt für
die ihr zu Teil gewordene Schonung“ und lobte die „meisterhafte Haltung der Truppen und Humanität des Herrn Kommandanten“. Huldvoll dankte der Sieger von Königgrätz und entschwand nach 10 Minuten in Richtung Görlitz. Zurück blieb eine sorgenvolle Stadt
nebst einem prall gefüllten Lazarett mit zum Teil schwer verwundeten Soldaten beider Kriegsparteien, die jetzt friedlich Bett an Bett ihre Wunden auskurieren mußten.
Doch trotz der immensen Lasten – die Stadt hatte allein an Einquartierungs- und
Verpflegungskosten rund 32 000(!) Taler verauslagt – zeigten sich die Löbauer solidarisch. Sie gründeten am 6.Juli im Wettiner Hof einen Zweigverein zur Pflege verwundeter und kranker Soldaten, um dem, wie sie selbst meinten, „schuldlosen einzelnen Soldaten“ zu helfen. Zahlreiche Geld-und Sachspenden wie Verbandmaterial, Brot aber auch Rotwein und Zigarren, wurden nach Aufrufen des Vereins an den Annahmestellen im Rathaus und in der Apotheke abgegeben. Darüber hinaus halfen viele Freiwillige, wie z.B. der Löbauer Wund- und Geburtsarzt Dr. Biesold, Tag und Nacht aufopferungsvoll in der Verbandstation und im Lazarett, das Leid der Betroffenen zu lindern. Im hiesigen Militärlazarett verstorbene Soldaten bestattete man, fern ihrer Heimat und meist ohne Wissen der nächsten Angehörigen, unter mitfühlender Anteilnahme der Löbauer
Bevölkerung. Die zur Erinnerung an diese Menschen von den Löbauern errichtete Gedenksäule steht heute - zwar auf anderem Sockel und an anderer Stelle – immer noch auf dem Alten Friedhof.
Durch unsachgemäßen Umgang und offensichtlich übermütige Zerstörungslust bietet dieses Denkmal gegenwärtig leider einen unwürdigen Anblick. Es erinnert dennoch an Soldaten wie Rudolf Sommer aus Wien oder August Christoph Ehrlich aus Saalfeld, die hier ihren
Verwundungen erlagen, in einem für die deutsche Geschichte so entscheidenden und opferreichen Sommer 1866.

Verzeichnis der 1866 im Lazarett Löbau verstorbenen Militärangehörigen:
Sterbedatum
Name
Wohnort Art der Verletzung
09.07.66    
Wilhelm Klein Rößer bei Königsberg Schußwunde

18.07.66    
Leopold Mayerhofer Schaueramt Bez. Gamniz Amputation rechter
Arm
Wenzel Walter Könnend, Comitat Eisenberg, Nieder-Ungarn Schußwunde
Rudolf Sommer Wien Verwundung
Friedrich Rust Maschinenfabrikant Halle/S Schußwunde

19.07.66    
Stephan Kiesch Ungarn Amputation

20.07.66    
Eduard Grüner Euba b. Zwickau Verwundung
Simon Pinkas Weichsel in Österreich Verletzung des
Rückenmarks
Ignatz Kühnel Zöllnitz, Österreich Lungenwunde

22.07.66    
Alexander Gade Armand, Ungarn Blutauflösung

23.07.66    
Soldat Alexander Podgorsky Österreich Pyaemie
(Blutvergiftung)

24.07.66    
Stephan Bends (29J.) Österreich Pyaemie

26.07.66    
Soldat Wenzel Knorre Biela b. Tetschen  
Jacob Schmoniovsky Salischeki in Galizien Blutauflösung

27.07.66    
Theodor Booms Gritabusch, Reg. Bez. Düsseldorf Blutauflösung

28.07.66    
Uffz. Alois Angler Wien  

29.07.66    
Aug. Christoph Ehrlich Saalfeld  

01.08.66    
Vicecorporal Rochus Bölzelbauer Österreich Schußwunde
Kp.-Führer Joseph Bacher Mistelbach, Österreich  

03.08.66    
Soldat Ginrin Ambrojo Mestra, Italien Pyaemie

09.08.66    
Land–Wehrmann Friedrich August Mandel Berlin Gehirnschlag

20.08.66    
Reinisch, Stephan
K. S. Armee, Brigade Kronprinz
Neuleutersdorf